Der Ballon von Van Swinden
Über Jan Hendrik van Swinden (1746-1823)
Jan Hendrik van Swinden (1746-1823) ist Mathematiker und Physiker. Nach seinem Studium in Leiden wird er Professor für Physik und Philosophie in Franeker. Van Swinden hat großes Interesse an praktischer Forschung.
Im Jahr 1784 wird Europa von der „Ballonfieber
Ballonfieber in Franeker
Leeuwarder Courant, Freitag, 22. Oktober
Am 19. Oktober hielt Professor Van Swinden in Franeker einen erfolgreichen Versuch mit einem schwebenden Luftballon aus Papier und Pech durch. Damit hat die europäische Ballonfieber des vergangenen Jahres nun auch die Universitätsstadt Friesland erreicht.
Im Mai dieses Jahres wurden in Leeuwarden bereits mehrere kleine Ballons vom Herrn Bianchi aufgelassen. Wie der Leser sich erinnern wird, hatte dieser Herr mit seinem größten Ballon von 20 Fuß keinen Erfolg. Nach einem kurzen Flug landete dieser Ballon auf einer benachbarten Wiese. Dort wurde das Gefährt von einer Gruppe ausgelassener Jungen zertrampelt und zerrissen. Glücklicherweise blieb uns ein solch beschämendes Schauspiel am letzten Dienstag in Franeker erspart.
Professor van Swinden führte sein Experiment im Garten seines Hauses an der Heerengracht durch. Dabei wurde er von fünf tüchtigen Studenten unterstützt. Einer hielt die Spitze des Ballons mit einer Malerleiter und einem Hebel nach oben. Ein anderer Student fütterte das Feuer in der Kugel mit Stroh und Stöcken. Inzwischen bediente der Professor selbst den Blasebalg.
Trotz dieses einzigartigen Schauspiels gab es auch beim Publikum auf der Straße eine gewisse Enttäuschung
_Bald füllte sich die Kugel mit schwebenden Gasen und jetzt mussten die restlichen drei Studenten ans Werk. Ihre Aufgabe war es, den Ballon mit Seilen am Boden zu halten. Dann ertönte endlich der Befehl des Professors: ‚Leinen los!' Und da flog zum ersten Mal in der Geschichte ein Luftballon durch den Franeker Luftraum! _
In aller Ruhe stieg das Gefährt ein Stück über die Häuser auf. Dort bekam der Wind Zugriff auf die Kugel und führte sie Richtung Martinikerk. Trotz dieses einzigartigen Schauspiels gab es auch beim Publikum auf der Straße eine gewisse Enttäuschung. Die letzten Tage hatten nämlich ein Paar Fantast behauptet, dass der Professor selbst wie ein Sternenritter mit seinem Ballon aufsteigen würde. Aber der gelehrte Mann war zu weise dafür. Zusammen mit seinen Studenten folgte er dem Gefährt lieber zu Fuß.
Über die Lijnbaan und die Breedplaats ging es zur Martinikerk, über die der Ballon anmutig flog. Danach verfolgten die Herren ihr Luftschiff durch die Kerksteeg bis zum Coudal. Dort sahen sie den Ballon hinter dem Haus des Silberschmieds Andringa verschwinden. Und im Garten dieses Mannes fanden sie schließlich die verkohlten Überreste ihres Fahrzeugs wieder. Man kann sich glücklich schätzen, dass dieses feurige Gebilde nirgendwo auf einem brennbaren Dach aufschlag.